Mit einer Rebfläche von gerade einmal 101000 ha und einem weltweiten Marktanteil von nicht einmal 3 % gehört Südafrika zu den kleineren Weinbauländern der Welt.

Weinanbaugebiet in Südafrika
Weinanbaugebiete in Südafrika, Foto: PhotoSky/Shutterstock.com

Nur ca. 3800 Winzer, davon rund 500 mit privaten Weingütern, in lediglich fünf Weinbauregionen bilden die südafrikanische Weinwirtschaft. Eine andere Zahl gibt die Bedeutung des südafrikanischen Weines allerdings besser wieder. Denn fast 48 % der am Kap produzierten Weine gehen nämlich ins Ausland.

Zum Vergleich, das Weinland Spanien, das, gemessen an der Menge, den meisten Wein exportiert, verschifft lediglich 30% seiner Erzeugnisse. Südafrikanischer Wein ist aber nicht nur international sehr beliebt, sondern besitzt auch für das Land selbst große Bedeutung. So wurden bis weit ins 20. Jahrhundert hinein viele Farmarbeiter für ihre Arbeit mit Wein bezahlt – viele wurden dadurch alkoholabhängig.

Heute befindet sich die Weinwirtschaft des Landes noch immer in einem Transformationsprozess, der mit dem Fall des Apartheidsregimes einsetzte. Die Winzer setzten immer mehr auf Qualität und Individualisierung, weshalb die modernen Weine bedeutend fruchtiger sind und einen besser ausgebauten Charakter besitzen als die Produkte der 1980er Jahre. Der Exporterfolg zeigt, dass sich die Winzer Südafrikas damit auf einem richtigen Weg befinden.

Die Geschichte des südafrikanischen Weinbaus

350 Jahre alt und doch so jung!
Selten gibt es ein Stichjahr für den Beginn einer Weinbautradition, Südafrika hat eins. Im Jahr 1655, also vor über 350 Jahren, pflanzte der niederländische Arzt und Kaufmann, Jan van Riebeeck, dem bei seiner Ankunft im Land der Buren, das, für den Weinbau so wichtige, mediterrane Klima auffiel, den ersten Rebstock aus Europa. Damit legte er den Grundstein für eine zum Teil schwierige, aber am Ende sehr erfolgreiche Weinbautradition.

Denn die Etablierung der südafrikanischen Weinwirtschaft auf dem Weltmarkt war gleich in doppelter Hinsicht schwierig. Einerseits kannten sich die ansässigen Bauern überhaupt nicht mit dem Anbau von Reben aus und zweitens konnten die hier produzierten Weine nicht mit den weltweit beliebten Produkten aus Europa konkurrieren. Erst mit der Ankunft von französischen Hugenotten, die aus ihrem Heimatland vertrieben wurden und das Wissen um den Wein mit an das Kap brachten, verbesserte sich der südafrikanische Weinbau.

Stabilisieren konnte sich die südafrikanische Weinindustrie allerdings erst mit der Gründung der „Kooperative Wijnbouwers Vereiniging van Zuid-Afrika“ im Jahre 1918.

Die Winzer spezialisierten sich zwar in den darauf folgenden Jahren vor allem auf die Herstellung von Brandy und Portwein, international wirklich ernst genommen wurde der Wein aus Afrika allerdings nicht. Gerade die Handelsbeschränkungen gegen die südafrikanische Wirtschaft, die aufgrund der Apartheidspolitik des Regimes bis in die 1980er Jahre aufrechterhalten wurden, lähmten die Entwicklung des Weinbaus. Erst mit der Lockerung der Beschränkungen gegen Ende der 80er Jahre konnten etablierte Reben und Edelreben eingeführt werden.

Seitdem entwickelt sich der südafrikanische Weinbau zusehends zu einem konkurrenzfähigen Wirtschaftszweig, der heute Spitzenprodukte hervorbringt. Man kann daher durchaus von einem Neubeginn des Weinbaus in Südafrika sprechen.

Klima und Geologie

Die Lage Südafrikas ist eigentlich suboptimal für den Weinbau, da es eigentlich zu warm für die Reben ist. Nur dank des Einflusses des aus der Antarktis kommenden Benguela-Stroms, der kühle Wassermassen und somit auch kühle Luftmassen an Südafrikas Küsten treibt, ist der Anbau von Wein möglich. Obwohl die Sonneneinstrahlung optimal ist, bleiben die Temperaturen dadurch in einem angenehmen Bereich.

Die Bodenbeschaffenheit Südafrikas ist überaus vielseitig und gibt den Weinen eine eigene Note. Gerade die Küstengebiete bringen durch die Sand- und Tonböden, die sehr mineralreich sind und hervorragend Wasser speichern, Qualitätsweine hervor. Die Kombination aus wechselhaftem Wetter und unterschiedlichen Böden sind eine Grundvoraussetzung für die Vielseitigkeit und letztlich auch die Beliebtheit der südafrikanischen Weine.

Weinanbaugebiete in Südafrika – klein aber fein

Es gibt in Südafrika fünf große Weinanbaugebiete, die wiederum in kleinere Weindistrikte unterteilt werden.

Weinanbau in Südafrika
Weinanbau in Südafrika, Foto: jbor/Shutterstock.com

Die fünf Weinregionen,

  • Cape South Coast,
  • Olifants River,
  • Coastal Region,
  • Little Karoo und
  • Breede River Valley

liegen zwar alle am Westkap, werden aber nochmal in die Anbaugebiete unterteilt, die unter Meereseinfluss stehen und die, die sich im Landesinneren befinden.

Die Weinanbaugebiete, die nicht an der Küste liegen, profitieren in den frühen Stunden zwar vom Atlantiknebel, der von der Küste aus in Richtung der Bergregionen zieht, sind aber sonst sehr heiß und trocken. Künstliche Bewässerung ist daher für diese Gebiete überaus wichtig, dafür wachsen aber aufgrund der optimalen Sonneneinstrahlung an den Hanglagen besonders hochwertige Reben heran.

Das Weinanbaugebiet Stellenbosch, das nach der hiesigen Stadt benannt ist und zur Coastal Region gezählt wird, kann durchaus als wichtigstes Anbaugebiet für Wein in Südafrika bezeichnet werden.

Die klimatischen und geologischen Bedingungen vor Ort sind nicht nur ideal für den Weinbau, sondern hier befindet sich auch das Ausbildungs- und Forschungszentrum der südafrikanischen Weinwirtschaft. Auf rund 16000 ha werden hier ca. 15 % des südafrikanischen Weines produziert. Dementsprechend reiht sich in der bergigen Landschaft ein Weingut an das andere, was das Bild dieser Region maßgeblich prägt. Stellenbosch kann auf eine lange Weinbautradition zurückblicken und lockt inzwischen immer mehr Touristen dank der historischen Kellereien ins Land.

Der Wein, die hier produziert wird, zählt zu den besten des Landes. Bekannter Vertreter dieser Region ist die weiße Rebsorte Chenin Blanc, die seit dem Beginn des südafrikanischen Weinbaus hier angepflanzt wird. Obwohl aus einem Weinanbaugebiet in Frankreich stammend, sind die südafrikanischen Chenin-Blanc-Weine, die hier Steen genannt werden, weitaus bekannter, da gerade sie als exzellent gelten. Der leichte, säurebetonte und sehr frische Wein gibt den Charakter des afrikanischen Kontinents hervorragend wieder und passt zu den malerischen Sonnenuntergängen an der Kapregion.

Paarl liegt zwar direkt neben dem Weinanbaugebiet Stellenbosch, weist aber ganz andere Bedingungen auf. Die nach dem Paarlberg (Afrikaans für Perle) benannte Region ist von sehr fruchtbaren Granit- und Sandsteinformationen geprägt und ist aufgrund des mediterranen Klimas überaus warm und trocken. Der Weinbau findet deshalb überwiegend am Fluss Bergrivier statt, der sich durch die Region windet. Daher werden auf den über 17000 ha, die hier für den Weinanbau zur Verfügung stehen, vor allem rote Rebsorten angebaut, die die hohen Temperaturen zum optimalen Ausreifen nutzen können. Neben den Edelreben Cabernet Sauvignon und Syrah wird dementsprechend die einheimische Sorte Pinotage gepflanzt.

Diese noch relativ junge Rebe wurde im Jahre 1924 an der Universität Stellenbosch durch eine Kreuzung der Sorten Pinot Noir und Cinsault (Hermitage) gezüchtet und hat heute einen festen Platz auf Südafrikas Rebanlagen.

Die Sonneneinstrahlung kann man beim Genuss eines Pinotage-Weines regelrecht schmecken, da dieser überaus körperreich, würzig und vor allem süß ist. Dass Südafrika die Heimat dieses Weines ist, scheinen die Reben beweisen zu wollen, denn Anbauversuche in anderen Ländern scheitern meistens immer. Wer also einen typischen Wein aus Südafrika genießen möchte, der muss einen Pinotage aus Paarl probieren!

Ein sehr junges und kleines Weinbaugebiet ist Overberg, was so viel wie „Über den Berg“ bedeutet, da diese Region lange Zeit unerschlossen blieb. Erst 1976 traute man sich in der Walker Bay Reben anzupflanzen, da es hier bedeutend kühler ist als in anderen Landesteilen. Der nahe Atlantik hat das Wetter Overbergs fest im Griff und regelt die Temperaturen deutlich nach unten. Bereut wurde der Weinanbau allerdings nicht, da sich gerade weiße Rebsorten an Overbergs Hängen sehr wohl fühlen und einen individuellen Charakter ausbilden. Gerade der Chardonnay, der hier heranwächst, ist weit über Südafrika hinaus gefragt. Er gilt als besonders fruchtig, vollmundig und komplex.

Südafrika bietet Weine zum Verlieben

Mit nur 1000 ha Rebfläche ist Overberg recht familiär und die Weine eher exklusiv.

Damit steht diese Weinregion allerdings stellvertretend für den gesamten Weinbau Südafrikas, der alles andere, bloß nicht Mainstream ist. Es verwundert daher nicht, dass Wein-Kritiker von der Intensität des Geschmacks und von der Individualität der südafrikanischen Weine schwärmen. Sie sind eben nicht typisch europäisch, sondern verkörpern die Exotik des Schwarzen Kontinents. Wer Wein mag, wird daher südafrikanische Weine lieben!

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